Norwegen Trekking- und Gipfeltour im Nationalpark Jotunheimen

By 19. Juli 2019Norwegen

1.8.: Gjendesheim Anreise

Gerade retour gekommen von der letzten E5 Alpenüberquerung direkt nach Wien gefahren, dort eine Nacht geschlafen und ab zum Flughafen. So sahen meine letzten 17 Stunden aus.
Das Leben eines Wanderführers, der in verschiedenen Regionen der Welt seiner Passion nachgeht.

Mit großer Vorfreude lerne ich meine Gruppe am Flughafen kennen. Drei Wahlwiener, in bester körperlicher Verfassung für unsere nordländischen Abenteuer. Ich freue mich schon sehr auf die gemeinsame Zeit, Carmen, Rolf und Thomas ebenso. Der Schmäh rennt von erster Sekunde an, da bin ich schon mal erleichtert. 🙂

Zufällig treffe ich beim Check-In noch die österreichische Lodging Nationalmannschaft, in der ein alter Bekannter, Jürgen, ebenso dabei war. Wie sich später herausstellen wird, kommen sie mit einem Medaillenregen nach Hause.

Der Flug ab Wien war ein bisschen verspätet und wir kamen mit dem Mietauto somit erst um ca 15:00 in Oslo weg.
Mit den erlaubten 80 km/h auf Norwegens Straßen dauert es eine Weile bis Gjendesheim. Wir haben die weite Fahrt mit Spaß, interessanten Gesprächen und gemeinsamer mentaler Stärke bestens geschafft und sind gegen 20:00 Uhr vor Ort und machen es uns am See gemütlich zum Abendessen.
Ganz komisch eigentlich, wenn um 23:00 Uhr noch Tageslicht herrscht. Das hält mich an diesem Tag jedoch nicht vom Schlafen ab. GUTE NACHT.

2.8.: Gjendesheim – Glitterheim

Voller Elan starten wir heute nach Glitterheim. Zuerst geht es über einen mäßigen Anstieg an zwei Seen vorbei. Weiter leicht bergauf, ein kurzer Blick auf die Karte verrät mir, es sind noch ca. 1,5 Stunden Gehzeit bis zum Ziel.

Die Wege in Norwegen sind allerdings anders 🙂 Viele Steine und fast nur wegloses Gelände. Es waren dann doch ca. 3 Stunden bis wir unser Quartier erreicht haben.

3.8.: Glitterheim – Spiterstulen

Von Glitterheim führt der Weg über 400 hm steiles Geröll hinauf. Das ist einmal der erste Teil unseres Tages – sozusagen zum Aufwachen.

Die erste Pause machen wir bei einem super idyllischen See.

Ich traue mich in diesem Gelände nun gar keine genauen Zeitangaben mehr zu machen. 😉 Das Gebiet und die Wege scheinen schier endlos zu sein. Nach einem schönen aber steilen Abstieg kommen wir zur Hütte in Spiterstulen. Sozusagen unser Basecamp für die nächsten 4 Tage und den interessanten Touren die vor uns liegen. Eine sehr belebte Hütte, wie wir festgestellt haben. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Gästen dieser Tour nochmals bedanken. Wie man am Foto erkennen kann, gab es wenig Raum für Privatsphäre.

Doch mit eurer Toleranz waren auch diese 4 Tage, im Zimmer auf 15 Quadratmeter kein Problem. Es war sogar sehr angenehm und ich hätte mir keine besseren ZimmerkollegenInnen vorstellen können. 🙂

Chapeu!

4.8. Spiterstulen – Galdhøpiggen – Spiterstulen

Meine Erkältung, die ich schon seit dem Tag vor meinem Abflug nach Norwegen herumschleppe, erreicht heute den vorläufigen Höhepunkt. Ich fühle mich wirklich nicht gut und wegen eines zusätzlichen Wetterumschwungs, plane ich mit meinen Gästen einen frühen Start für die heutige Tour. Für norwegische Verhältnisse heißt das 6:30 Uhr Abmarsch in Spiter-stulen (1104 Meter über Meeresspiegel)

Der erste Teil der Tour ist sehr steil, lässt uns aber auf einem guten Weg dahingehen. Nach ca. einer Stunde kommen wir dann in weniger steiles Gelände, müssen wieder über Felsen und Steine, die diesmal gut markiert aber endlos erscheinen. Immer wieder überqueren wir Gletscherbäche. Zuerst ist das Wasser noch an der Oberfläche, nach und nach sind diese nur mehr unterirdisch zu hören.

Es folgt ein steiler Anstieg auf den „Svellnose“ (2272 Meter). Von dort geht es dann ca. 200 Höhenmeter bergab um danach den „Keilhaus topp“ in Angriff nehmen. Dieser Gipfel ist bereits 2355 Meter über dem Meeresspie-gel. Das bedeutet, wir haben an diesem Tag bereits 1352 Höhenmeter in unseren Beinen.

Wie sollte es nach einem Gipfelsturm anders sein, wir gehen wieder gut 100 hm bergab. Endlich erreichen wir den Punkt, von dem aus wir den höchsten Gipfel Norwegens sehen dürfen – den Galdhøpiggen. Das Gipfelhaus ist ab und zu erkennbar doch es ist leider immer leichter Nebel vorherrschend.

Es trennen uns noch zwei kleine Gletscherumgehungen vom höchsten Gipfel. Nach 4 Stunden, 1365 hm Unterschied zwischen unserem Ausgangs- und Endpunkt, stehen wir nun endlich am höchsten Berg Norwegens und Skandinaviens, dem Galdhøpiggen – 2469 Meter über dem Meer.

Trotz starker Halsschmerzen und von der Erkältung gezeichnet, bin ich überglücklich, meine Gäste auf diesen atemberaubenden Gipfel geführt zu haben. Immer wieder lichtet sich der Nebel und wir sehen unglaubliche Eisriesen, eingebettet in tiefschwarze Gipfel.

Mit schlechtem Wetter im Nacken steigen wir wieder ab ins Tal nach Spiterstulen. Ich muss hier den wanderbegeisterten Lesern nicht weiter erörtern, was Oberschenkel und Knie sagen, wenn man wieder fast 1400 hm, in großteiles weglosem Fels-Blockgelände absteigt. Aber eine Tiefkühlpizza á la Norge macht alles wieder gut und wir sind uns einig: Die beste Pizza ever.

5.8.: Pausetag

Aufgrund des schlechten Wetters und meines nicht verbesserten gesundheitlichen Zustands, ziehen wir den geplanten Pausentag um einen Tag vor.
Ein tolles Frühstück und Telefonate mit zu Hause lassen der Erkältung quasi keine Chance mehr. Schon am Nachmittag fühle ich mich viel besser als an den Tagen davor.

Schon morgen geht das abenteuerliche Wandern weiter – auf dem Glittertind (2465 Meter), zweithöchster Berg im Reich der Riesen und Trolle.

6.8.: Spiterstulen – Glittertind – Spiterstulen

Ich fühle mich heute Morgen noch immer etwas müde, aber das kommt wahrscheinlich vom gestrigen ganzen Tag nur am Sofa sitzen und beim Fenster hinausschauen.
Nach 20 min merke ich: es läuft super, die Erkältung hab ich mal im Griff!

Nach den ersten 400 hm Anstieg gehen wir ein schönes Tal entlang. Am Talschluss sehen wir steil hinauf… Ja es ist wahr: es geht nun auf einer Wegstrecke von nur 4 km ca. 1000 Höhenmeter bergauf.

Der erste Teil ist ganz schön anstrengend, der zweite Teil wird zur Zerreißprobe für die Nerven… Es folgt ein sehr flacher Anstieg bis zum endgültig höchsten Punkt, welcher das ganze Jahr über unter einer dicken Eisdecke liegt.

Oben angekommen fühlen wir (besonders ich mich) uns großartig. Der erste Berg in Norwegen, auf den ich mich nicht aufgrund der Erkältung hochquälen musste.

Wir machen eine wohlverdiente Pause und es folgt der sehr entspannte und unterhaltsame Abstieg, zum letzten Mal nach Spiterstulen. Morgen geht’s weiter nach Leirvasbu.

7.8. Spiterstulen – Leirvasbu

Ein letztes mal Frühstück hier in Spiterstulen… Endlich geht es weiter, flussaufwärts Richtung Leirvasbu. Wir sind fasziniert von der umliegenden Gletscher-welt und den weitläufigen Wiesen und Hängen. Am Pass angekommen, sehen wir schon „The Church“, einen markanten Berg, neben dem wohl schönsten See Norwegens.

Am Pass angekommen, sehen wir schon „The Church“, einen markanten Berg, neben dem wohl schönsten See Norwegens.

Angekommen bei der Hütte von Leirvasbu, beschließen wir anstatt Knäckebrot und Beef Jerkey, uns heute das Abendmenü zu gönnen. Hühnersuppe, Lachs mit Gemüse und als Nachspeise Apfel-Marzipan-Kuchen. Ein schöner Abend mit Gitarrensound und einige Stunden Watten folgt. Besonderer Dank geht hier an unseren Tiroler Wanderkollegen Rolf, der uns dieses Spiel näher brachte. Seit diesem Tag sind wir süchtig nach Watten. Jeden Abend mindestens 3 Stunden! 🙂

8.8. Leirvasbu – Gjendebu

Gestärkt vom tollen Frühstück in Leirvasbu, machen wir uns auf den Weg nach Gjendebu.
Schon eingestellt auf Schlechtwetter, geht’s los.
Der Wetterbericht sagt 17 mm Regen zwischen 9 und 17 Uhr voraus.

Dem ist, Gott sei Dank, nicht so. Es regnet ca. von 11-13 Uhr. Wir wurden zwar nass, aber um 14:00 stand ich bereits in der heißen Dusche in Gjendebu.
Das ist allerdings wirklicher Luxus auf norwegischen Hütten, es war nicht jeden Abend so.

9.8. Gjendebu – Memurubu

Von Gjendebu geht’s zuerst 2 km den GJENDE (See) entlang. Danach folgt ein sehr steiler Anstieg, welcher teilweise mit Ketten versichert ist. Der Anstieg ist kraftraubend, doch die Aussicht ist genial.

Bald kann man den Ausgangspunkt sehen: Gjendesheim. Über einen weiteren Anstieg geht’s hinauf auf den Gipfel des heutigen Tages. Von hier sieht man nach Memurubu, wo wir die vorletzte Nacht unserer Wanderung verbringen. Direkt am Gjende: Wie kitschig ist das denn?

10.8. Memurubu – Gjendesheim

Wegen Schlechtwetter fahren wir am letzten Tag im Nationalpark nur mehr mit dem Boot von Memurubu nach Gjendesheim. Wir erhoffen uns eine Wetterbesserung, sodass wir noch den Besseggen-Grad gehen können. Leider ist das Warten aber vergeblich, das Wetter zeigt keine Veränderung zum Guten.

Wir verbringen den Tag genau wie alle anderen auch in der Hütte,
bei Gitarren- und Klaviermusik, Kaminfeuer und ganz viel Essen.
Wir haben essenstechnisch doch einiges nachzuholen.

Mit meinen Gästen ist das aber überhaupt kein Problem.
Wir spielen Stunden lang das Tiroler Kartenspiel „Watten“.
Draußen ist es windig, regnerisch und kalt.
Eigentlich der perfekte Ausklang für eine Reise wie diese.

11.8. Gjendesheim – Oslo

Am letzten Tag unseres Abenteuers fahren wir nur noch nach Oslo.
Dort angekommen freuen wir uns wirklich auf ein wohliges Hotelbett und eine feine Dusche.

Mir bleibt nun nur noch, DANKE zu sagen!

Bedanken möchte ich mich bei meinen tollen Wanderkollegen, welche mir den Vertrauensvorschuss schenkten und mich als Bergwanderführer auf diese Reise schickten und mir auch einige der tollen Fotos für diesen Blogbeitrag bereitstellten.
Danke auch meinem Gästen, welche sich außergewöhnlich aufeinander einstellen konnten und auch den anderen die Möglichkeit und den Raum gaben, sich zurückzuziehen.
Des Weiteren fand ich es sehr angenehm, wie die Gruppe innerhalb weniger Tage zu einem sehr starken und wertschätzendem Team herangewachsen ist.

Ich fühlte mich sehr wohl mit euch in Norwegen – es ist und bleibt eine unvergessliche Zeit. DANKE!

Ich möchte mich ebenso beim Reisebüro „Weltbewegend“ bedanken, welches diese Reise hervorragend organisiert hat.
Nur durch diese Planung konnte ich mich zu 100% auf meine Tätigkeit als Wanderführer konzentrieren, nämlich alle Teilnehmer glücklich und gesund durch den Nationalpark Jotunheimen zu führen.

Es ist ein Privileg als Wanderführer solche Touren führen und mit meinen Gästen die schönsten und atemberaubendsten Gipfel der Welt erklimmen zu dürfen. Dafür bin ich dankbar!

Bedanken möchte ich mich auch bei euch, welche diesen Reisebericht gelesen haben und wer weiß…
Vielleicht werden wir ja eines schönen Tages, gemeinsam auf einem der schönsten Berge dieser Welt stehen.

Seid achtsam und setzt euch persönliche Ziele, dann werdet ihr die Welt in dieser Form erkunden können, wie ihr es euch vorstellt.
Alles Gute für eure weiteren Bergtouren und kommt immer wieder gesund zurück ins Tal!

Mario

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